30 Jahre Sachsen-Tour International

Was wäre, wenn es die Elite-Rundfahrt des Freistaates Sachsen, die Sachsen-Tour International, noch gäbe?

Dann würden sich auch 2014 wieder zahlreiche Top-Athleten des internationalen Radsports in Sachsen zusammenfinden und sich miteinander vor den Augen zehntausender Zuschauer am Straßenrand und an den Bildschirmen um das begehrteste Trikot der Welt messen.

Doch seitdem das traditionelle Profi-Radrennen seit 2010 aus finanziellen Gründen pausiert, bleiben Aktiven und Ehemaligen vorerst „nur“ Erinnerungen. Diese allerdings haben es in sich!

Zwei Staaten – ein Rennen

Denn seit der ersten Sachsen-Tour – die im Sommer 1985 noch als „Tour de Saxe“ an den Start ging – hat sich das Gesicht des renommierten Rennens immer wieder verändert. Unter anderem wurde die politisch-gesellschaftliche Wende 1989/1990 auch sportlich gemeistert.

So wurden auf Sachsens Straßen über Jahrzehnte hinweg die Topstars des Rennradsports begrüßt. Feierte bis 1989 das DDR-Radsport-Idol Uwe Ampler hier zweimal den Gesamtsieg (1986 und 1989), standen späterhin Elitefahrer wie unter anderem Jens Voigt (1996), Fabian Wegmann (2003) oder Bert Grabsch (2008) ganz oben auf dem Treppchen.

Bis zum Ende 2009 meldeten sich immer wieder Radsport-Stars zur Teilnahme an, so etwa Tony Martin (u.a. Weltmeister im Straßen-Einzelzeitfahren 2011-2013, 2012 Olympisches Silber in London), Mark Cavendish (u.a. Straßen-Weltmeister 2011) und mit Cadel Evens und Andy Schleck auch der Erst- und der Zweitplatzierte der Tour der France 2011. Aber auch die heutigen deutschen Top-Athleten Andre Greipel, John Degenkolb oder Marcel Kittel schrieben sich in die Starterliste der Sachsen-Tour ein.

Die Sachsen-Tour startete zu DDR-Zeiten als Drei-Etappen-Rennen. Mit der wachsenden Bedeutung der Veranstaltungen nach der Wende nahm auch die Zahl der Wettkampftage zu – auf zwischenzeitlich sieben – und pendelte sich bis 2009 schließlich, passend zum internationalen Rennkalender der UCI-Europe Tour, auf fünf Tage ein.

In all diesen Jahren meisterten die mehreren tausend Profis und Amateure eine unglaubliche Gesamtkilometerstrecke von mehr als 20.500 Kilometern – einmal um die halbe Erde!


Ein Ferkel für Uwe

Trotz aller Anstrengung der Fahrer: Das Preisgeld für die Sieger und die Platzierten bestand nicht immer aus barer Münze – zuletzt 74.000 Euro im Jahr 2009. Zu DDR-Zeiten gab es für die Gewinner der jährlichen Sachsen-Tour besondere Ehrenpreise, wie etwa die beliebten Bierkästen von Radeberger. Doch 1986 erhielt Rundfahrtsieger ein ganz außergewöhnliches Präsent: Tourdirektor Wolfgang Friedemann überreichte dem Sieger Uwe Ampler ein lebendes Ferkel.

Die Freude des damaligen Titelträgers war nicht minder groß, wie der Jubel seiner Nachfolger der nächsten Jahre. Neben 15 deutschen Radsportprofis konnten zehn Gewinner aus der ganzen Welt das sächsische Maillot Jaune für sich behaupten. Dreimal wanderte es Down Under, zweimal nach Russland und in die Niederlande und je einmal nach Kasachstan, Dänemark, und in die Schweiz.

 

Mit dem Jedermannradrennen in die Zukunft

Parallel zum Profirennen begrüßten die Veranstalter der Sachsen-Tour International regelmäßig auch viele hundert bis tausend Teilnehmer beim Jedermannradrennen. Der Wettkampf für die Hobbyradsportler hat sich in und um Dresden nicht minder zur Tradition entwickelt und findet seit 2013 nach einem Jahr Pause seine Fortführung. Das ŠKODA Velorace Dresden ist das traditionsreichste Jedermannradrennen in den neuen Bundesländern und erfreut sich der engagierten Unterstützung des Radsportförderers ŠKODA. Zur Neuauflage 2013 eilten gleich 1.400 Hobbyradsportler zur Teilnahme in die sächsische Landeshauptstadt und wurden angefeuert von zehntausenden Fans und Zuschauer an der Strecke und an den Bildschirmen.

 

Old-Stars werden zu Jedermännern

Doch schon 2014 werden deutlich mehr aktive Teilnehmer erwartet – unter anderem ein kleines feines Old-Star-Team der Sachsen-Tour. Eingeladen sind Sachsen-Tour-Sieger Jörn Reuß, Thomas Liese und Bert Grabsch aber auch Olaf Ludwig und Sebastian Siedler werden u.a. kommen, um das Team zu verstärken. Die Ex-Profis sollen mit ihrer Präsenz Zuschauern und Fans, Wegbegleitern und Organisatoren – und nicht zuletzt sich selbst – viele schöne Erinnerungen an fast 30 Jahre Sachsen-Tour International hervorrufen. Und vielleicht gilt ihr Kommen auch als ein Signal, die Radsportelite in Dresden und Sachsen zukünftig wieder an den Start zu bringen.


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